Kontist wurde ursprünglich speziell für Freiberufler und Einzelunternehmer entwickelt und ist vor allem für seine automatische Steuerrücklage bekannt. Seit der Übernahme durch die französische Shine-Gruppe (Teil der Société Générale) im Jahr 2025 akzeptiert Kontist inzwischen auch andere Rechtsformen wie GmbH, UG, GbR, OHG, KG und AG — zuvor war das Angebot ausschließlich Freiberuflern und Einzelunternehmern vorbehalten.
Wie funktioniert die automatische Steuerrücklage bei Kontist konkret?
Kontist berechnet bei jeder eingehenden Zahlung automatisch anhand konfigurierbarer Prozentsätze für Einkommensteuer und Umsatzsteuer, wie viel Guthaben zurückgelegt werden sollte, und verschiebt diesen Betrag auf ein separates Rücklagen-Unterkonto. Ein Praxisbeispiel: Erhält eine freiberuflich tätige Person 2.000 Euro netto von einem Auftraggeber und ist der Taxator auf 30 Prozent Einkommensteuerrücklage sowie 19 Prozent Umsatzsteuerrücklage eingestellt, berechnet Kontist automatisch 600 Euro Einkommensteuer-Anteil zurück — ein konkreter Schutz vor der häufigsten finanziellen Falle der frühen Selbstständigkeit: der Steuernachzahlung, für die kein Geld mehr zurückgelegt wurde.
Für bilanzierende Kapitalgesellschaften wie eine GmbH mit doppelter Buchführungspflicht nach HGB ist dieses Feature weniger direkt relevant, da die steuerliche Planung dort ohnehin über den Jahresabschluss und die Steuerberatung gesteuert wird — der eigentliche Mehrwert der automatischen Rücklage entfaltet sich vor allem bei Freiberuflern und Solo-Selbstständigen mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).
Welche drei Tarife bietet Kontist an, und wann lohnt sich ein Wechsel?
| Tarif | Preis (netto/Monat) | Freie Buchungen | DATEV |
|---|---|---|---|
| Free | 0 € | 5–6, danach 0,40 € | nein |
| Start | 11 € | 28–30, danach 0,15 € | nein (nur MT940) |
| Plus | 25 € | 100, danach 0,15 € | ja, exklusiv |
Der Wechsel vom Free- zum Start-Tarif lohnt sich rechnerisch bereits ab etwa 28 Buchungen pro Monat — bei dieser Buchungsanzahl kostet der Free-Tarif durch die Einzelgebühren von 0,40 Euro pro Transaktion bereits mehr als die elf Euro Pauschalgebühr des Start-Tarifs mit seinen 30 inkludierten Freiposten. Der Plus-Tarif für 25 Euro lohnt sich dagegen gezielt für alle, deren Steuerberater auf einen vollständigen DATEV-Export mit Belegen besteht — dieses Feature ist ausschließlich im teuersten Tarif verfügbar und lässt sich nicht einzeln hinzubuchen.
Was ist die „300-Euro-Falle" im kostenlosen Kontist-Tarif?
Eine Besonderheit, die häufig übersehen wird: Im Free-Tarif berechnet Kontist eine Gebühr von 2 Euro, wenn der monatliche Kontoumsatz unter 300 Euro liegt. Das betrifft vor allem Gründerinnen und Gründer in der Anfangsphase oder nebenberuflich Selbstständige mit geringem Umsatz — eine Einschränkung, die bei vielen anderen kostenlosen Geschäftskonto-Tarifen in dieser Form nicht existiert und vor Vertragsabschluss beachtet werden sollte.
Welche Buchhaltungssoftware lässt sich mit Kontist verbinden, und was bietet der Plus-Tarif zusätzlich?
Bereits im Start-Tarif sind Anbindungen an lexoffice, sevDesk, FastBill und Billomat verfügbar — Kontobewegungen werden automatisch synchronisiert und Belege lassen sich direkt zuordnen. Für die direkte DATEV-Anbindung mit vollständigem Belegexport ist dagegen ausschließlich der Plus-Tarif geeignet, was beim Preisvergleich mit anderen Anbietern berücksichtigt werden sollte, die DATEV bereits in einem günstigeren Tarif anbieten.
Der Plus-Tarif erweitert das Angebot um eine detailliertere Umsatzsteuerauswertung, eine GoBD-konforme, also den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechende Belegarchivierung, sowie eine direktere technische Anbindung an die Systeme der Steuerberaterin oder des Steuerberaters. Für Selbstständige, deren Steuerberatung zwingend auf einen DATEV-Direktexport angewiesen ist, stellt der Plus-Tarif innerhalb des Kontist-Angebots die einzige Möglichkeit dar, diese Anforderung zu erfüllen — ein einzelnes Zubuchen der DATEV-Funktion zu einem günstigeren Tarif ist nicht vorgesehen.
Im Alltag läuft die Zusammenarbeit mit der Buchhaltung so ab: Nach jeder Zahlung kategorisiert Kontist die Buchung automatisch, legt die berechnete Steuerrücklage zur Seite und übermittelt die Daten an das verknüpfte Buchhaltungstool. Die Steuerberatung erhält im DATEV-Export bereits vorstrukturierte, saubere Daten — das spart insbesondere zum Quartalsende Abstimmungszeit, die sonst für die händische Zuordnung einzelner Belege anfallen würde.
Bietet Kontist auch einen Unternehmenskredit an?
Ja, nach mindestens sechsmonatiger Kontohistorie können Kontist-Kundinnen und -Kunden auf Antrag einen flexiblen Kredit zwischen 500 und 50.000 Euro erhalten, mit Zinssätzen zwischen 9 und 35 Prozent pro Jahr je nach Bonität und einer Rückzahlungsdauer von 4 bis 18 Monaten. Eine vorzeitige Tilgung ist ohne Zusatzkosten möglich. Angesichts der teils hohen Zinssätze am oberen Ende der Spanne sollte dieser Kredit primär als kurzfristige Liquiditätsüberbrückung verstanden werden, nicht als günstige langfristige Finanzierungsquelle.
Welche Zusatzkosten fallen für Karten und Fremdwährungszahlungen an?
Eine virtuelle Visa Business Debitkarte ist in allen drei Tarifen kostenlos enthalten. Eine physische Karte ist im Start- und Plus-Tarif inklusive, im Free-Tarif kostet sie zusätzlich 29 Euro pro Jahr. Bei Kartenzahlungen in Nicht-Euro-Währungen berechnet Kontist eine Gebühr von 1,7 Prozent. Echtzeitüberweisungen bietet Kontist derzeit nicht an — ein Unterschied zu mehreren Wettbewerbern, die SEPA-Instant-Zahlungen bereits standardmäßig integriert haben.
Für Kontist spricht
- Automatische Steuerrücklage schützt vor Steuernachzahlungs-Fallen
- Seit 2025 für alle Rechtsformen geöffnet, nicht mehr nur Freiberufler
- Klare, transparente Tarifstruktur mit nachvollziehbarem Umstiegspunkt
- Unternehmenskredit bis 50.000 Euro bereits nach 6 Monaten Kontohistorie
- Trustpilot-Bewertung von 4,5 aus über 1.000 Bewertungen
Was Sie bedenken sollten
- 2-Euro-Gebühr bei unter 300 Euro Monatsumsatz im Free-Tarif
- DATEV-Anbindung ausschließlich im teuersten Plus-Tarif verfügbar
- Keine Echtzeitüberweisungen im Angebot
- 1,7 Prozent Gebühr auf Fremdwährungs-Kartenzahlungen
Für wen eignet sich Kontist?
Besonders für Freiberufler und Solo-Selbstständige mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die von der automatischen Steuerrücklage profitieren und dadurch Steuernachzahlungen gelassener entgegensehen möchten. Wer zwingend Echtzeitüberweisungen benötigt oder DATEV bereits in einem günstigeren Tarif erwartet, sollte zusätzlich Qonto oder Finom vergleichen.
Häufige Fragen
Wie funktioniert die automatische Steuerrücklage bei Kontist?
Bei jeder Einzahlung berechnet Kontist anhand konfigurierbarer Prozentsätze automatisch die zu erwartende Einkommens- und Umsatzsteuer und verschiebt diesen Betrag auf ein separates Rücklagenkonto.
Was ist die 300-Euro-Falle im Kontist Free-Tarif?
Liegt der monatliche Kontoumsatz unter 300 Euro, berechnet Kontist eine zusätzliche Gebühr von 2 Euro — eine Besonderheit, die vor allem Gründer und Nebenberufler mit geringem Umsatz betrifft.
Kann eine GmbH ein Kontist-Konto eröffnen?
Ja, seit der Übernahme durch die Shine-Gruppe 2025 akzeptiert Kontist alle gängigen Rechtsformen, nicht mehr nur Freiberufler und Einzelunternehmer.